Schule ist…

“Schule ist für mich ein Ort an den ich gerne gehe; ein Ort an den ich freiwillig (gerne) gehe; ein Ort an dem ich gezielt Hilfe suchen und finden kann, wenn ich das möchte.

An diesem Ort sind alle lernende und alle sind Mensch(en).
Dieser Ort soll Raum und Platz für das Aufeinandertreffen von Menschen und für einen Austausch bietet.
Es ist ein gleichwertiges miteinander, es gibt keine institutionelle Hierarchien.

Hier sollen mir so viele Möglichkeiten wie nur irgendwie möglich gegeben und bereitgestellt werden damit ich mich gezielt mit einem Thema beschäftigen kann, dass erreichen kann was ich will und das aktiv und gezielt lernen kann, was ich für richtig halte.”

 

Reine Reproduktion

Wenn wir etwas lernen, also etwas in unserem Gehirn abspeichern, sei es Faktenwissen oder eine bestimme Handlung, dann geschieht dies durch eine Verknüpfung in unserem Gehirn, bzw. durch eine Verstärkung schon bestehender Verknüpfungen.

Um dies zu erreichen müssen die entsprechenden Bereiche im Gehirn aktiviert werden und das muss immer und immer wieder geschehen. Wird eine synoptische Verknüpfung durch wiederholtes benutzen verstärkt, so bleibt diese auch länger bestehen – wir merken uns etwas.

Wir lernen – sofern man den Begriff lernen mit merken gleichsetzt – etwas, wenn wir es wiederholen. Nun hat die “Methode” des Wiederholens massiven Einzug in der Schule erhalten. So nimmt der reproduktive Teil in Abschlussprüfungen wie z.B. im Abitur fast die Hälfte der Bewertung (45 von 100 BE) ein.
Sicherlich sind einige Schüler und Schülerinnen dafür sehr dankbar, schließlich ist es nur (stupides) Auswendiglernen.

Es stellt sich die Frage wie sinnvoll ist dieses Auswendiglernen?

Hierbei kommt es auch auf die Definition des Lernbegriffes an. Englischvokabeln zu lernen klingt für viele eher nach einer mühseligen Aufgabe, ja eher schon nach einer Arbeit. Aber Englisch zu sprechen, oder englische Filme zu schauen kann schon wieder mehr Freude bedeuten. In beiden Fällen lernt man Englisch, bei einem gezielt ganz bestimmte Wörter, beim anderen lernt man eher wie man sich in einer Sprache bewegt.

Ein weiteres Beispiel wäre das Fahrrad fahren. Man lernt niemals Fahrradfahren, wenn man es erzählt oder erklärt bekommt, sondern man muss es praktisch versuchen und dies auch immer und immer wieder tun. Durch die Wiederholung und durch wiederholte Fehler prägen sich bestimmte Handlungsabläufe ein und man hat es letztendlich gelernt Fahrrad zu fahren.

In beiden Fällen erfolgt lernen durch Wiederholung. Spricht man verstärkt Englisch, oder schaut mehr Filme auf Englisch so ist das auch eine Wiederholung und unser Gehirn entscheidet nicht zwingend danach ob wir in der Schule sind oder nicht, oder ob wir gerade etwas lernen wollen oder nicht, abgespeichert wird es trotzdem.

Unser alltägliches Verhalten basiert auf Dingen die wir z.B. von unseren Eltern, unseren Freunden und unseres sonstigen Umfeldes gelernt haben. Aber auch deshalb, weil wir von unserem Umfeld nun mal die ganze Zeit umgeben sind und somit quasi ständig am wiederholen (z.B. unserer Handlungen) sind.

Repetition ist also ein wichtiger Teil des Lernens und wird sicherlich benötigt.

Ein Grund warum aber manchmal Aufgaben (Arbeitsblätter o.ä.) in der Schule einem langweilig oder mühsahm vorkommen, ist ein Übermaß an Reproduktionsaufgaben. Die meisten Aufgaben bestehen daraus einen Text zusammenzufassen, Informationen herauszuarbeiten oder Aufgaben nach immer und immer dem selben Muster zu lösen. Kompetenzen, die man auch erst erlernt, allerdings ist es bei reiner Reproduktion eine Unterforderung. Menschen wollen kreativ werden, erkunden, sie wollen neue Dinge herausfinden und nicht altbekanntes wiederkäuen. Gerade bei Gedanken (wie z.B. Lösungswegen) auf die man selber gestoßen ist oder sich durch gedankliches “herumspinnen” gemacht hat, fällt es uns leichter uns diese auch zu merken.

Ein breites Wissen zu haben oder auch “Allgemeinwissen” genannt halten Viele für notwendig und dieses macht auch für Viele den Begriff “Bildung” aus.

Natürlich wird Wissen nicht schlecht, aber die Frage ist, ob der Inhalt und die Methodik noch zeitgemäß sind. In unserer digitalen Informationsgesellschaft ist Wissen nahezu überall und jeder Zeit (via Internet) abrufbar.

Die Fähigkeiten und Kompetenzen, die von uns in unserer zukünftigen bzw. heutigen Gesellschaft gefordert werden, sind die der alternativen und kreativen Problemstellung und -lösung. Man braucht die Fähigkeit sich Informationen zu beschaffen, man muss wissen, wie bekomme ich welche Informationen wo her und wie (kritisch) soll ich mit diesen Informationen umgehen.

Die Fähigkeit sich als Mensch etwas merken zu können wird auch nicht durch Computer ersetzt werden können, aber sie wird verändert und erfordert von uns eine neue Form und Definition vom Lernen und von Bildung.

Technisierung von Bildung und Gesellschaft

Timo Off macht in seinem Artikel “Neue Medien und Zentrale Prüfungen” eine sehr interessante Bestandsaufnahme (und Einschätzung) der Entwicklung von Schule in Verknüpfung mit “neuen” Medien sowie Internet, Laptop, iPad, etc.

Nach einer kurzen Analyse der Vereinbarkeit von neuer Technik mit den bestehenden zentralen Prüfungen kommt er am Ende des Artikels zu diesem Schluss:

“Wenn wir nicht auf zentrale Prüfungen verzichten (und das werden wir nicht), dann werden wir absehbar in zentralen Prüfungen den kleinsten gemeinsamen technischen Nenner nutzen.”

Das mag jetzt erst einmal ernüchternd klingen, denn wieso sollte man die Technik nicht nutzen, wenn sie einem denn zur Verfügung steht.
Was ebenfalls aus dem Artikel hervorgeht, ist, dass sich diese ganze Technisierung im Bildungssektor in einer experimentellen Phase befindet. Schrittweise wird von den Ländern versucht an verschiedenen Stellen (sei es Lehrerausbildung, Ausstattung oder spezielle Unterrichtsfächer) eine Implementierung von (immer) neuer Technik in den Schulen zu schaffen.

Dieses Experimentieren ist sicher elementar um ein Gefühl für den Nutzen und für die Möglichkeiten der Technik zu entwickeln, allerdings ist nicht jeder Person gleich experimentierfreudig und somit ein rasanter Wandel kaum zu erwarten.

Die Frage ist auch welchen didaktischen Nutzen haben iPad’s und Co? Was lernen Schülerinnen und Schüler im Zuge von Moderniserung denn neues, was wird gar nicht mehr gelehrt/gelernt, lernen sie dadurch wirklich mehr und besser und zu was für einer Gesellschaft führt uns dies?

Das und noch mehr sind Frage, die man meines Erachtens nach definitiv mal betrachten und disktuieren sollte.
Experimentieren ja gerne, aber ein Schnellschuß der dafür sorgt, dass Kinder aufgrund der Technik, die alles leichter macht, nicht mehr selbsständig denken können, wäre fatal.

Fakt ist das die neue Technik in der Gesellschaft schon längst angekommen ist und die Schule, gemessen an der Entwicklung der Gesellschaft, massiv hinterher hängt. Allerdings ist der Bildungssektor einer der eisernsten und trägsten. Veränderungen brauchen Jahrzehnte um von der Forschung oder den Experimenten fest in Bildungseinrichtungen und Klassenzimmer zu landen, falls sie dort überhaupt ankommen.

Das Bildungssystem sollte devinitiv flexibler werden um auf die sich ständig und auch immer schneller verändernde Gesellschaft zu reagieren. Die Veränderungen, die auf jeden Fall stattfinden, müssen nicht immer gut oder per se schlecht sein, werden sie allerdings vollkommen ignoriert und in keinster Art und Weise beachtet, so werden zwangsläufig mehr und mehr Zusammenstöße und Konflikte zwischen dem wie in Schule agiert wird und dem wie in der Gesellschaft gelebt wird geben.

Zum Abschluss ein passendes Zitat zu der Forderung auf mehr Flexibilität

 ”Lehrer von gestern sollen uns heute, in Gebäuden von vorgestern, auf die Welt von morgen vorbereiten”

Ein sehr interessanter Artikel zu der “Bildungsrevolution iPad” hier.
Der Inhalt von Timo Off steht unter cc-by-nc-sa

Aufspaltung (des Denkens)

Mathe, Deutsch, Physik, Englisch, Chemie, Politik & Wirtschaft, Biologie, Religion/Ethik.
So oder so ähnlich sieht eine Fächeraufteilung an Schule aus. Nun hetzen die Schüler im 45 min Takt von Englisch zu Französisch und von Deutsch zu Mathe. So hat man sechs (mal mehr, mal weniger) verschiedene Fächer am Tag und das immer nur für kurze Zeit.

Machbar ist dieser ständige wechsel sicherlich, aber ist er auch effektiv?
Ein Begriff der versucht dieses Missstand aufzuheben nennt sich Fächerübergreifender Unterricht. Das sieht meistens so aus, dass zwar die Lehrpläne thematisch aufeinander abgestimmt sind, allerdings behandelt meist jede Lehrkraft das gleiche Thema seperat im eigenen Unterrichtsfach, ohne jegliche Bezugnahme zu den anderen Fächern.

Mir erscheind z.B. die Aussage “Ich bin in Mathe gut, aber in Physik nicht.” sehr widersprüchlich. In den meisten Fällen lässt sich das meines Erachtens auf die Lehrkraft zurückführen.

Mein Vorschlag für einen “Fächerübergreifenden Unterricht” wäre, die Unterteilung in unterschiedliche Fächer teilweise bis vollständig aufzulösen.

Hat man z.B. einen Text vorliegen, so kann man diesen auf Sprache analyieren und eine Erörterung schreiben, man kann ihn thematisch (geschichtlich, ethisch und politisch) diskutieren, dies in extra gesonderten Fächern unabhängig voneinander zu tun erscheint mir nicht sinnvoll.
Ich plädiere für mehr Projektarbeit, die nicht Fächergebunden ist, sondern den Schülerinnen und Schülern freigestellt ist, was sie in welchem Umfang abhandeln wollen und auch welches Thema sie bearbeiten wollen.

In dem Artikel “Ein bisschen Utopie?” ist die Idee des Auflösens von Unterrichtsfächern ein bisschen konkretisiert.

Die thematischen Tragweiten der einzelnen Fächer bieten einen fließenden Übergang zu anderen Fächern somit ist eine wirkliche Aufspaltung nicht möglich. Diese Unterteilung haben wir als Menschen selber gemacht und haben uns Grenzen gesetzt, wo meiner Meinung nach keine sind oder keine sein sollten.

Die kurzen Unterrichtseinheiten (à 45 min) sorgen für einen radikalen Schnitt in der Thematik und bietet unserem Gehirn keinerlei Zeit einer Verarbeitung (geschweige denn eines Abschlusses).

Diese Grenzsetzung (zeitlich wie auch nach Fächern) sorgt für ein fokussiertes und vielleicht auch beschränktes Denken. Betrachtet man Themen modular und ausgekoppelt voneinander, geht einem die Fähigkeit ganzheitliche (systemische) Zusammenhänge zu erfassen und zu begreifen, verloren.

 

Alles Fleiß

So langsam geht es wieder auf die Abschlussprüfungen zu und die Schülerinnen und Schüler müssen immer mehr Zeit zum Lernen aufwenden.

Dabei sind es keine sonderlich neuen Themen, sondern Inhalte, welche schon einmal im Unterricht durchgenommen wurden. Beim Landesabitur in Hessen kommt z.B. alles dran, was in den Stufen 12 und 13 im Lehrplan steht.

Für die Schülerinnen und Schüler stellt dies oft eine Frustsituation dar. Sie müssen die Dinge neu lernen bzw. wiederholen, die sie schon einmal gemacht haben und das nicht zu wenig.

Dabei ist dies nur eine Frage von Fleiß. Wer viel lernt und viel Zeit dazu aufbringen kann die vergangen zwei (oder mehr) Schuljahre wieder nachzuholen, der wird am Ende auch entsprechend mit einem guten Abschluss belohnt.

Hierbei hat das Lernen nichts mehr mit dem Erwerb von Kompetenzen oder bestimmten Fähigkeiten zu tun, sondern mit reinem Auswendiglernen.
Fleiß ist prinzipiell nichts schlechtes, aber etwas gezwungenermaßen zu lernen ist anstrengend und nervig.

Wer nur Fähigkeiten mitbringt, der oder die wird gnadenlos herunterfallen, denn die Inhalte und Fachbegriffe sind die Dinge, die von den Ministerien verlangt werden, ob man das später mal benötigt spielt dabei keine Rolle.